Staub und Sensorflecken in Zeitraffersequenzen mit After Effects entfernen

Staub und Sensorflecken in Zeitraffersequenzen mit After Effects entfernen

Jeder kennt das Problem mit Staub auf dem Kamerasensor. Bei einem einzelnen Foto sind Staubkörner schnell und einfach entfernt. Was aber wenn man eine Zeitraffersequenz von einigen hundert Fotos hat? Alle per Hand retuschieren oder doch lieber drin lassen? Keine Sorge, mit After Effects gibt es eine relativ einfache Möglichkeit diese zu entfernen.

Sensorflecken

Sensorflecken und Staub – das „Leid“ eines jeden Fotografen.

Anfangs ist die Freude noch groß über die tolle, neu aufgenommene Zeitraffersequenz. Im Anschluss kommt allerdings oft die Ernüchterung, wenn man sieht wieviele Staubflecken in der Aufnahme zu sehen sind. Gerade wenn man viele Zeitraffersequenzen aufnimmt, verdreckt der Sensor relativ schnell und gerade auf Reisen hat man oft keine Chance ihn reinigen zu lassen. In meiner Anfangszeit trieb mir das schon die Schweißperlen auf die Stirn, da ich eine Menge Arbeit auf mich zukommen sah. Diese zu ignorieren und drin zu lassen war nie eine Option, dafür bin ich viel zu sehr Perfektionist. Nach vielen, nicht zufriedenstellenden, Versuchen habe ich aber nun eine schnelle und effiziente Möglichkeit gefunden, die zumindest für nicht so detailreiche Bereiche, wie z.B. Wolken, funktioniert.

Die ersten Schritte

Als erstes kam mir natürlich der Kopierstempel oder der Reparaturpinsel von Photoshop in den Sinn. Von dieser Idee konnte ich mich aber genauso schnell wieder verabschieden, da es in Photoshop keine Möglichkeit gibt, diese Werkzeuge in einer automatisierten Aktion zu benutzen.

Die nächste Idee war dann Lightroom. Über das „Bereichsreparatur“ Werkzeug lassen sich Staubflecken schnell entfernen. Synchronisiert man alle Bilder, hat man ihn schnell auf alle Bilder einer Sequenz angewendet. Dies funktioniert allerdings auch nur bedingt, denn Lightroom übernimmt für die Kopie nicht den ausgewählten Bereich, sondern wählt eigenständig den Bereich, der nach seiner Ansicht am besten passt. Dies führt oft zu ungewollten Ergebnissen und es entstehen Flecken durch eine falsche Kopierquelle.

Bereichsreparatur in Lightroom

Lightroom wählt die Kopierquelle (2) eigenständig, dadurch hat man keine Kontrolle über den kopierten Bereich für das Kopierziel (1). Das linke Bild zeigt die gewählte Quelle, während das rechte Bild den von Lightroom gewählten Bereich in einer anderen Aufnahme zeigt.

Anfangs habe ich noch Stunden damit zugebracht, die Aufnahmen manuell anzupassen. Dann habe ich angefangen mit After Effects zu arbeiten. Dort stößt man natürlich auch als erstes auf den Kopierstempel. Er funktioniert im Prinzip genauso wie bei Photoshop, nur dass er die Kopierquelle aus jedem Frame neu entnimmt. Im Gegensatz zu Lightroom tut After Effects das auch immer aus dem festgelegten Bereich. Nun stellt sich die Frage, in welchem Bereich der Sequenz sich der Staub befindet. Ist es ein statischer Bereich kann man ohne Probleme den Kopierstempel verwenden. Hat man allerdings einen bewegten Bereich, wie z.B. Wolken, , stößt man hier auch wieder auf Probleme, denn evtl. muss man die Kopierquelle ändern, damit man nicht sieht wo gestempelt wurde. Der Stempel kann zwar animiert werden und für verschiedene Bereiche neu gesetzt werden, allerdings kann das dann auch relativ aufwendig werden und mir hat es auch nicht das 100%-ige Ergebnis geliefert.

Die Lösung

Ich habe mir einen Filter zu Hilfe genommen, den man damals schon bei der Bearbeitung von Scans in Photoshop zu Hilfe genommen hat. Dieser nennt sich “Staub und Kratzer”. Er macht nichts anderes, als das Bild weichzuzeichnen, dadurch verschwinden die Staubkörner und bei nicht zu detailreichen Bereichen erzielt man super Ergebnisse.

Das Vorgehen

Schritt 1

Die Sequenz wird in After Effects importiert. Ob es sich nun um eine JPG-, eine RAW-Sequenz oder ein Video handelt, spielt keine Rolle.

Importieren der Sequenz oder des Videos.

Handelt es sich um eine Bildsequenz, kannst Du im Importfenster “JPEG Sequenz” oder “Camera RAW Sequenz” auswählen.

Importieren der Sequenz oder des Videos.

Schritt 2

Ziehe Deine importierte Sequenz auf das Kompositionsicon im Projektfenster. Damit fügst Du die Sequenz in eine neue Komposition ein. Die Komposition wird in Länge und Format an die Sequenz angepasst.

Füge Deine Sequenz in eine Komposition ein.

Schritt 3

Öffne die Komposition mit einem Doppelklick. Dort liegt Deine Sequenz auf einer Ebene. Im Screenshot “Original”. Diese kopierst Du mit STRG + C (PC oder CMD+C (Mac) und fügst sie mit STRG+V (PC) bzw. CMD+V (Mac) wieder ein. Auf der oberen Ebene “Staub entfernt” werden die Staubkörner entfernt.

Sequenzebene duplizieren.

Schritt 4

Markiere die obere Ebene und wähle in der Werkzeugleiste das Ellipsen-Werkzeug.

Ellipsen-Werkzeug auswählen.

Schritt 5

Mit dem Ellipsen- Werkzeug zeichnest Du nun Ellipsen an der Stelle, an der Staubkörner im Bild vorhanden sind. Damit wird die Ebene maskiert. Dies bedeutet, dass nur noch diese Ausschnitte zu sehen sind. Zur Kontrolle kannst Du die untere Ebene über das Augensymbol am Anfang der Ebene ausblenden. Dann siehst Du genau welche Bereiche maskiert sind.

Die Staubkörner mit dem Ellipsen-Werkzeug maskieren.

Schritt 6

Sind alle Staubkörner maskiert, klappe die Sequenzebene mit dem Pfeil vor der Ebenennummer auf. Anschließend klappst Du die Masken auf. Hier sind alle von Dir angelegten Masken. Klappe auch diese auf und füge der Maske eine weiche Kante hinzu. So vermeidest Du eine harte Kante an der Maske und der Übergang wird schön weich. Die Stärke hängt von der Auflösung der Sequenz ab. Sollte man am Ende noch eine Kante sehen, kannst Du dies, nachdem der Effekt angewendet wurde, nochmal ändern. Auch hier kannst Du zur Kontrolle die untere Ebene ausblenden.

Die Stärke der weichen Maskenkante angeben.

Schritt 7

Unter “Effekte und Vorgaben” findest Du einen Ornder “Rauschen und Korn”. Darin enthalten ist der Filter “Staub und Kratzer”. Diesen ziehst Du auf die obere Ebene.

Staub und Kratzer Filter hinzufügen.

Schritt 8

Nun kannst Du in den Effekteinstellungen angeben, wir stark der Filter angewendet werden soll. Stelle den Radius immer höher, bis die Sequenz so weichgezeichnet ist, dass man die Staubkörner nicht mehr sieht. Wenn Du viele unterschiedlich starke Staubkörner hast, kannst Du die Ebene auch nochmal duplizieren und für die stärkeren Staubkörner einen größeren Radius wählen und nur diese maskieren.

Wähle die Stärke des Filters.

Nachdem Du den Filter angewendet hast, wirst Du sehen, dass auch das Bildrauschen weg ist. Da man das, je nachdem wie stark es ist, später sehen wird, müssen wir das Rauschen wieder hinzufügen.

Das Bildrauschen geht dabei verloren.

Schritt 9

Um das Bildrauschen wieder zu der Ebene hinzuzufügen, nehmen wir unter den “Effekten und Vorgaben” den “Korn anpassen” Filter, ebenfalls unter “Rauschen und Korn” zu finden. Wähle in den Effekteinstellungen unter “Ansichtsmodus” die “Endausgabe” aus. Dadurch wird es auf die gesamte Sequenz angewendet.

Bildrauschen wieder hinzufügen.

Schritt 10

Zu guter Letzt müssen wir nur noch die Quellebene für das Rauschen auswählen. Dies ist unsere Originalebene. Hieraus wird das Referenzkorn entnommen und auf die obere Ebene angewendet.

Das Endergebnis.

Anschließend sollten keine Staubkörner mehr zu sehen sein. Du kannst Deine Sequenz nun exportieren oder anderweitig weiterverwenden. Beachte bitte, dass diese Methode wirklich nur gut funktioniert wenn man keine Details im Bild hat, da der “Staub und Kratzer” Filter die Sequenz, je nach Stärke, weichzeichnet und Details dadurch verloren gehen. Ich habe bisher immer gute Erfahrungen bei der Anwendung auf Wolken gemacht.

Hier kannst Du Dir die Beispieldatei runterladen.

Hat Dir das Tutorial geholfen? Wie sind Deine Erfahrungen mit Staub und Sensorflecken in Zeitraffersequenzen? Ich freue mich über Feedback.

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